Musikunterricht ist Kunstunterricht

Die Verbindung zur MSZB begann für Niklaus Erismann schon in der Kindheit – mit den Klängen der Bläserproben aus dem Nachbarhaus. Heute blickt er auf viele musikalische Projekte und die Veränderungen der Musikschulen im digitalen Zeitalter zurück. Für ihn bleibt Musikunterricht weit mehr als Freizeitbeschäftigung: kreative Bildung und menschliche Erfahrung zugleich.

Wann und wo begann Deine gemeinsame Geschichte mit der MSZB?

Unbewusst sehr früh, da ich im Bediensteten-Haus des Schlosses Bremgarten (Aeschenbrunnmattstrasse 4) gleich neben der Musikschule aufgewachsen bin. Ich erinnere mich noch gut daran, wie an sonnigen Tagen die Klänge von Blechbläsern durch die Fenster des Nachbarhauses zu uns herübergeweht sind…
So richtig begonnen hat’s dann im Jahr 2009, als mich David Gattiker «frisch ab Presse» vom Abschluss des Studiums in Basel nach Bremgarten zurückgeholt hat.

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Welche Themen haben die MSZB in früheren Jahren beschäftigt?

Vor 17 Jahren war der ganze Umbruch durch die Digitalisierung erst in Ansätzen spürbar, Musik war noch nicht überall und jederzeit «verfügbar»… Dadurch konnte man sich besser aufs Kerngeschäft konzentrieren: die (umfassende) Entwicklung der Schüler:innen, Vermittlung von Handwerk, Tradition und Bildung der musikalischen Sinne. David Gattiker legte zudem Wert auf die Vermittlung Neuer Musik, Jazz, Rock und Improvisation im frühen Alter. Er prägte die Formulierung «Musikunterricht vermittelt den Schüler:innen Zugang zu einem Teilbereich der Künste»: Musikunterricht als Kunstunterricht(!), als kreative und seelisch erfüllende Tätigkeit.

Die heutige «Verfügbarkeit» führt leider oft dazu, dass zu viele Hobbys, Unterhaltung und Zerstreuungen vermeintlich zu haben sind; so dass am Ende die Zeit fürs Üben, für schöpferisches Arbeiten und das Sich-nur-einer-Sache-widmen verloren geht.

Was ist deine früheste Erinnerung an ein Erlebnis in der Musikschule?

Enea: Meine frühste Erinnerung ist das erste Treffen mit meiner Klavierlehrerin Sabine Sollberger. Sie war mir sofort sympathisch und ich fand es toll, dass wir (schon dann) vierhändig spielten und sie mich begleitete.

Fabian: Ich erinnere mich, wie ich begonnen habe, Schlagzeug zu spielen – meine Schwester spielte Klavier, meine Mutter E-Gitarre, und das hat mich dazu gebracht, selbst ein Instrument zu spielen.

An welche Anlässe, Projekte, Erlebnisse…. erinnerst Du Dich (gerne)?

An die Jubiläen und Jahresabschlüsse! Fürs 40jährige Jubiläum im Jahr 2016 durfte ich für ein ganzes Lehrpersonen-Schüler:innenorchester der MSZB ein festliches Jubiläumswerk (und -flickwerk:) schreiben, und auch das Gitarrenorchester etwas später am «Zolli on Stage» ist mir noch in schöner Erinnerung.

In welche Richtung werden sich Musikschulen weiterentwickeln?

Ich hoffe in die richtige… aber dafür wird weiterhin viel Einsatz von allen Seiten nötig sein: Konkurrenz durch Online-Musikunterricht und Private stellt vieles infrage, musikalische (und historische) Inhalte bleiben oftmals auf der Strecke; internationale (Wirtschafts-) Politik setzt viele Menschen und Bildungseinrichtungen unter Druck: schöpferisches Tun ist nun mal nicht finanziell, sondern vor allem seelisch eine lohnenswerte Sache. (!)
Und mit dem unvorhersehbaren Chaos, das KI in der Welt anrichtet und anrichten wird, muss man sich wohl noch arrangieren… es heisst also auch in Zukunft: wachsam, menschlich, lebensfroh und kritisch bleiben!

Was möchtest Du sonst noch sagen?

Etwas weniger Anbiederung an ideologische Trends und «algorithmengesteuerte» Kultur würde auch der MSZB vielleicht guttun - aber dazu wäre wohl ein grösseres Budget nötig als momentan... (Hallo Politik! 😉 Das wäre Aufgabe einer ernst zu nehmenden Bildungspolitik, die sich bewusst ist, dass man musische Fächer nicht folgenlos wegkürzen kann. Und: Das Vertrauen auf die eigenen (analogen) Stärken und Fähigkeiten des Teams und der Schule zu kultivieren statt aus Angst und Spar-Druck in (fantasielose) Anpassung zu verfallen, würde uns als Schule noch unabhängiger machen.