Vom Gitarrenschüler zur Lehrperson
Die Verbindung zur MSZB begann für Christian Sommerhalder als Gitarrenschüler aus Bremgarten – mit dem Fahrrad, der Gitarre auf dem Rücken und viel Begeisterung für Musik. Heute unterrichtet er selbst an der Musikschule und ist überzeugt: Trotz Digitalisierung und künstlicher Intelligenz bleiben Live-Musik und gemeinsames Musizieren unersetzlich.
Was verbindet dich mit der Musikschule Zollikofen Bremgarten?
Ich habe eine lange Geschichte mit der MSZB. Ich bin in Bremgarten aufgewachsen und habe als Jugendlicher in Zollikofen den Gitarrenunterricht besucht.
In Bremgarten hatte die Musikschule damals noch keinen Standort. Ich erzähle immer wieder gerne die Anekdote, wie ich mich mit dem Fahrrad von Bremgarten nach Zollikofen den Reichenbachstutz hinaufgequält habe und mir dabei der Bändel meiner Gitarrentasche die Kehle zuschnürte.

Damals gab es noch nicht diese bequemen Rucksacktaschen, und ich frage mich manchmal in diesem Zusammenhang, welche Umstände heute für Musikunterricht zumutbar sind?
Ich erzähle euch etwas zu den heutigen Standorten der Musikschule in Bremgarten: In der Aeschenbrunnmatte, im heutigen Kindergarten, war damals unser Jugendtreff Pelikan. Das war cool, da gab es einen Töggelikasten. Oben, wo wir heute unterrichten und sich die Büroräumlichkeiten der Musikschule befinden, wohnten unsere Lieblingslehrer von der Oberstufe gemeinsam in einer WG.
Der jetzige Musikraum für Bandunterricht und Schlagzeug im Gemeindezentrum Bremgarten war unser erster amtlicher Übungsraum, nachdem wir zuerst in der Waschküche eines Bandmitgliedes geprobt hatten. Obwohl wir den ganzen Luftschutzkeller sauber mit Eierkartons isolierten, beschwerte sich der damalige Gemeindehelfer der Kirche während unseren Proben über Luftblasen in seiner Badewanne. Er wohnte in der Wohnung im Gemeindezentrum, die heute auch von der MSZB genutzt werden darf. (Ich bin selten in dieser Wohnung, muss mir beim nächsten Mal die Badewanne anschauen…). Vermutlich mochte er einfach unseren Jazz-Rock nicht.
Wann und wo begann deine gemeinsame Geschichte mit der MSZB?
Beim Räumen der Wohnung meiner Mutter habe ich eine Rechnung für das Wintersemester 1984/85 gefunden. Das Schulgeld betrug damals 390.- Franken pro Semester. Ich habe für heutige Verhältnisse spät mit dem Gitarrenunterricht begonnen, wohl ca. in der 7. Klasse. In einem Alter, in dem heute viele Schüler:innen wegen Schulstress und zu dichtem Freizeitprogramm mit dem Musikunterricht bereits wieder aufhören, habe ich mit der klassischen Gitarre begonnen.
Während meiner ganzen Lehr- und Studienjahre habe ich meine Unterrichtsmaterialien immer gut gehütet und archiviert. So kann ich heute auf einen grossen Fundus von Materialien zurückgreifen.

Gerade eben habe ich in einem Notenheft eine Notiz von meinem ersten Gitarrenlehrer von 1985 entdeckt: «Aufgabenbüchlein bringen (sonst heim)». Ich war wohl kein besonders einfacher und pflegeleichter Schüler. Aber ich war motiviert, meine Begeisterung und Leidenschaft für die Musik weiter zu verfolgen. Ich ging an Konzerte und suchte mir Lehrer, die das verkörperten, was mich interessierte und faszinierte. Nach Lehr- und Wanderjahren u. a. an einer Musikschule in Frankreich begann ich 1998 im Rahmen einer Stellvertretung für Antonia Giordana an der MSZB zu unterrichten. Als Antonia länger als geplant in Afrika verweilte, wurde ich 2001 gewählt.

Worauf bist du stolz?
2004 habe ich, gemeinsam mit meinem Freund Marco Agovino, der damals an der MSZB Schlagzeug unterrichtete und mit mir in Bremgarten aufgewachsen ist, im ersten Jahrgang den Nachdiplomstudiengang Musik & Computer an der HKB abgeschlossen. Anschliessend konnten wir unser Wissen und unsere Erfahrungen in die MSZB einbringen und als erste Musikschule im Kanton Bern den Fachbereich Musik & Computer anbieten. Das war zwar aufwändig und wenig lukrativ, aber wir hatten ein paar schöne Projekte am Start, auch in Zusammenarbeit mit anderen Lehrpersonen und Schüler:innen. Gerne erinnere ich mich an eine Musizierstunde mit dem mittlerweile pensionierten Schlagzeuglehrer Franz Aeschbacher, an welcher wir mit «selbstgebastelten» Samplern und Effekten live perkussive Klänge bearbeiteten.
Stolz macht mich auch, dass ich nach meiner zweiten Weiterbildung im Kulturmanagement 2022/23 die Stellvertretung für Lukas Knecht, als Co-Schulleiter an der MSZB übernehmen durfte. Wichtig und wertschätzend bei einer langen Anstellungszeit finde ich, dass man sich im vertrauten Rahmen immer wieder etwas neu erfinden kann und darf.
Natürlich machen mich auch die Schüler:innen stolz. All diejenigen, die Freude zeigen und etwas aus dem Unterricht mitnehmen können. Alle, denen man später wieder mal anders begegnet und natürlich die, welche die Musik weitertragen, die Begeisterung mitnehmen, bei denen das Feuer ebenfalls entfacht und die auch nach der gemeinsamen Unterrichtszeit selbständig weiter Musik spielen.
Was haben Musikschulen für eine Zukunft?